Kulturministerium und Frankfurter Buchmesse stellten CONTEC Chile 2024 vor

Mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, und Carolina Arredondo Marzán, Ministerin für Kulturen, Künste und Kulturerbe, wurde bestätigt, dass Chile Ehrengast der 79. Frankfurter Buchmesse sein wird, die vom 6. bis 10. Oktober 2027 stattfindet. Die 1976 gegründete Frankfurter Buchmesse präsentiert seit 1988 jedes Jahr ein Land oder eine Region als Ehrengast. In jenem Jahr stand Lateinamerika im Mittelpunkt; seitdem waren Mexiko (1992), Brasilien (1994 und 2013) und Argentinien (2010) zu Gast. Chile wird das vierte Land der Region sein, das seine Literatur und Kultur als Ehrengast dieser bedeutenden internationalen Messe zeigt – unter dem Motto „Für den klaren Himmel der Literatur“. „Ich freue mich sehr darauf, dass Chile Ehrengast der Frankfurter Buchmesse sein wird“, sagte Juergen Boos. „Wir werden nicht nur mehr über die lebendige, junge Verlagsszene Chiles erfahren und neue literarische Stimmen entdecken, sondern auch tiefer in die literarischen Welten renommierter Autorinnen und Autoren wie Pablo Neruda, Isabel Allende und Roberto Bolaño eintauchen. Hervorgehoben wird auch die chilenische Buchillustration, die international mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.“ Zum Motto des Ehrengastauftritts fügte Boos hinzu: „Wer schon einmal in Chile war, kennt den beeindruckenden, weiten und klaren Sternenhimmel, wie wir ihn über der Atacama-Wüste beobachten können. Es begeistert mich, dass der Ehrengast dieses Bild aufgreift und uns zeigt, wie Himmel und Sterne ihre eigenen Geschichten erzählen, Einfluss haben und sich mit der Kreativität und der Literatur Chiles verbinden können.“ Die chilenische Ministerin für Kulturen, Künste und Kulturerbe, Carolina Arredondo Marzán, erklärte: „Wir sind zutiefst dankbar, als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2027 ausgewählt worden zu sein – der geschichtsträchtigsten, einflussreichsten und angesehensten Messe ihrer Art weltweit. An der Spitze dieser Messe zu stehen, ist eine großartige Gelegenheit, der Welt die Lebendigkeit, Originalität und Schönheit der chilenischen Literatur zu zeigen, ebenso wie den Einfallsreichtum der vielen Verlage, die neuen literarischen Stimmen helfen, ihr Publikum zu finden. Wie Präsident Gabriel Boric sagte: In Kultur zu investieren heißt, in eine bessere Welt zu investieren. Er hat dies möglich gemacht, und dafür danken wir ihm.“
Fachleute aus Deutschland, Spanien, Chile und weiteren Ländern Lateinamerikas sprachen in Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops über die Möglichkeiten, die die Messe bietet: Rechtehandel, Internationalisierung, die kommerzielle Bedeutung von Metadaten, Audioformate und den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Kreativwirtschaft.
Programm von CONTEC Chile 2024 Die Sitzung am 9. Juli widmete sich den Möglichkeiten der Frankfurter Buchmesse und der Frage, wie diese Plattform für die Internationalisierung einer Verlagsbranche genutzt werden kann. Marifé Boix García und Simone Bühler, Leiterin des Ehrengastprogramms der Messe, erläuterten die wichtigsten Punkte, um diese Teilnahme bestmöglich zu nutzen. In Podiumsdiskussionen ging es außerdem um Internationalisierung und Übersetzung. Teilnehmende waren die deutschen Verlegerinnen und Verleger Anne Schlag vom Kinderbuchverlag Kunstanstifter und Roland Spahr von den Fischer Verlagen, Constanza Martínez von der Agencia Puentes sowie aus Chile Ana Pávez vom Verlag Amanuta, Francisca Jiménez von Ediciones Mis Raíces und die Beraterin Andrea Viu. Zum Abschluss des ersten Tages leitete die Deutsche Nicole Witt, die 2015 von der London Book Fair zur Literaturagentin des Jahres gekürt wurde, einen Workshop zu den Kernpunkten der Verhandlung von Buchrechten: vom Aufbau des Pitchings bis zu Vertragsmodellen für verschiedene Ausgaben und Formate. Der Vormittag des 10. Juli war den Audioformaten gewidmet, mit Trinidad Piriz Correa, Direktorin von Podium Podcast Chile. Weitere Gäste zu diesem Thema, das für spanischsprachige Inhalte zunehmend an Bedeutung gewinnt, waren Carlos Rojas, Vertreter des deutschen Audiovertriebs Zebralution, und Eugenia Bascarán, Gründerin der Produktionsfirma Reading-U und ehemalige Vertreterin von Storytel und Spotify für Lateinamerika. Santiago Ramírez und das Team von Audiobuk, dem chilenischen Pionier der Hörbuchproduktion, leiteten den Workshop „Audioproduktion. Die Aufnahme, Rohstoff des Hörbuchs“ und zeigten praxisnah die wesentlichen Schritte, um eine Geschichte vom Papier in die Klangwelt zu bringen. Am Nachmittag standen der Umgang mit Metadaten und ihre Auswirkung auf den Verkauf im Mittelpunkt. Ricardo Costa, Direktor für Lateinamerika des deutschen Unternehmens MVB, hielt eine Keynote und bot eine Beratung mit Workshop zur richtigen Pflege und Nutzung von Buchmetadaten an. Ebenfalls dabei waren Sebastián Rodríguez-Peña, Geschäftsführer von Penguin Random House Chile; Guido Arroyo, Direktor des Vertriebs Big Sur in Chile; José Sanguinetti, Geschäftsführer von Antártica Libros; Javier Sepúlveda, Direktor von Patagonia Libros, und Paula Barría, Mitgründerin von Metales Pesados. Zum Abschluss des diesjährigen Treffens am 11. Juli wurden in Zusammenarbeit mit dem chilenischen Nationalen Zentrum für Künstliche Intelligenz (CenIA) einige Auswirkungen des KI-Einsatzes im Verlagswesen diskutiert: einerseits ihre Möglichkeiten als Werkzeug für die Entwicklung von Sprachmodellen und die Erzeugung von Inhalten, andererseits die Herausforderungen im Hinblick auf das geistige Eigentum. Es wirkten mit: Jhoerson Yagmour Figuera von der Pontificia Universidad Católica de Chile, Valentina Moretic von der Abteilung für Urheberrecht des Ministeriums für Kulturen, Künste und Kulturerbe, Eduardo Graells-Garrido von der Universidad de Chile und Jaime Coquelet vom Centro de Estudios Interculturales e Indígenas. Seitens CenIA nahmen Rodrigo Durán, Cristina Flores, Cristián Irribarra, Carlos Aspillaga, Gabriela Arriagada und Cristian Vásquez teil.